Holz isch heimelig - wie das Chalet aus der Form geraten ist

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Judith Gessler / Anja Meyer
Diplomwahlfacharbeit Architekturtheorie Prof. Dr. Àkos Moravà¡nszky,
Assistent O. W. Fischer
ETHZ, 2003

Vorwort

Im Zusammenhang mit der momentanen medialen Präsenz des Themas Schweiz und die Frage um ihre Identität, möchten wir als Architektinnen die Rolle des Aushängeschildes Chalet untersuchen.
Ausgangspunkt der Betrachtung sind für uns verschiedene aktuelle à„usserungen wie themenbezogene Zeitschriften, Werbeprospekte und Internetauftritte
Schwerpunkt der Arbeit soll eine Annäherung an ein, unter Architekten, viel-gescheutes Thema, nämlich der Erfolg sogenannter folkloristischer Elemente und ihre Verselbständigung, vor allem in der Ferienarchitektur, sein.
Dass Städter in den Ferien in die Berge in ihr Chalet fahren, scheint eine Vermischung zwischen angestammten, bäuerlichen Hausformen und einer städtischen Lebensweise anzuzeigen. In der Geschichte des Chalet-Begriffes, wo Gegensätzlichkeiten, Projektionen, Internalisierungen auftauchen, sehen wir, dass diese Annahme keineswegs so selbstverständlich ist.
Die Bauaufgabe der Einfamilien- und Ferienhäuser in der Bergwelt ist eine Erfindung des Städters im 19. Jh.
Erst seit da ist er überhaupt in der Lage, diese Welt zu schätzen. Noch die Reisenden des 18. Jh. Waren auf ihren Bildungsfahrten nach Italien froh, die Alpen überwunden zu haben. Die kulturelle “Besetzung” der Alpen durch Landhäuser, Chalets im 19. Jh. Wurde von verschiedenartigsten Wünschen und Vorstellungen begleitet. Folkloristische Elemente aus der ganzen Welt, aber auch vorgefundene bäuerliche Bauten wurden zum “Schweizerstil”, “Chaletstil”. Das Chalet, reduziert auf wenige, einfach zu erkennende äusserliche Merkmale, wurde — präfabriziert — zum Exportschlager der Schweiz. In und um die Schweizer Alpen ist das Chalet auch heute ungebremst erfolgreich.
Wir möchten uns in dieser Betrachtung als örtliche Begrenzung an die Schweiz halten. Eine Region, in der schon im letzten Jahrhundert das Chalet als touristischer Attraktor und als Inspirationsquelle für Künstler diente, ist das Berner Oberland. Hier analysieren wir Gstaad, entstanden als typisches Produkt der touristischen Entwicklung.

Nach einer Auseinandersetzungen mit den Schlagworten, dem Zeitlosen, dem Versprechen, den Beispielen und Vorbildern, geht es uns in einer ersten Begriffsklärung darum, zu zeigen, wie sich schriftlich festgehaltene Definitionen entwickelt haben. (So wird von jeher im französischen Sprachgebrauch der Begriff viel weiter verwendet als im Deutschen, wie z. B. im Wallis).

Wir grenzen den Typ Chalet vom Holzhaus in seinen verschiedenen Prägungen ab und zeigen die Entwicklung seiner Bauweise in der Zeit auf, wobei wir uns hier auf das Berner Oberländer Haus beschränken.

Wir schauen von aussen in einer kunstgeschichtlichen Weise aufs Chalet und nähern uns ihm anhand Fundstücken der Zeit. Mit diesem Hintergrund betrachten wir Gstaad und versuchen typische Entwicklungen und typische Ausformungen zu erkennen. Was das Chalet heute ausmacht und was wir daran faszinierend finden wird schliesslich — aber nicht abschliessend — beschrieben.

Typ